 Immer für den Schutz der Deiche unterwegs: Die tierischen „Rasenmäher“. |
Die Urlauberfamilie
fährt mit ihrem
Auto rechts ran und
verlässt das Auto. Mutter,
Vater und die Kinder
stehen staunend neben
dem Wagen und
blicken gespannt auf
den Deich: Eine große
Herde von Schafen
überzieht bei strahlendblauem
Himmel den
saftig grünen Seedeich.
Dazu das Geblöke der
grauen Vierbeiner. Ein
Stück Nordsee. Ein
Postkartenmotiv.
Was wie eine ländliche
Inszenierung für die
Touristen aussieht, ist
fester Bestandteil des Küstenschutzes.
Seit Jahrhunderten. Die Deiche aus
schwerem Kleiboden, im eigentlichen
Sinne technische Bauwerke und mit
einer dichten Grasnarbe überzogen,
müssen und sollen als Schutz des 400
Quadratkilometer großen Binnenlandes
vor drohenden
Sturmfluten
gepflegt
werden. Aus
diesem Grunde
unterhalten die
so genannten
Deichachten
gerne Schäfereien,
die viele
Hunderte ihrer
wolligen
schwarzköpfigen Fleischschafe auf den
Hangschrägen der Deiche grasen lassen.
Ein Zusammenwirken von Landwirtschaft
und Küstenschutz.
Denn mit ihren rund zwei Zentnern
Gewicht, auf ihre Hufe verteilt, haben
die Schafe die gewünschte Eigenschaft,
dass sie nicht die Grasnarbe
zerstören, sondern die Oberschicht
vielmehr immer wieder aufs Neue
festtrampeln – eine „Trippelwalze“.
Außerdem „mähen“ die Wiederkäuer
die grünen Halme gleichmäßig ab, so
dass sich die Deichacht den motorisierten
Rasenmäher
sparen kann.
Nicht selten,
vor allem
aber
beim Umweiden,
ist
dann auch
der Hirte mit
seinen Schäferhunden
bei den Schafen zu entdecken – und
rundet das typische Postkarten-Bild ab.
Der Schäfer hat für gewöhnlich wie
ein Landwirt eine Sieben-Tage-Woche
und arbeitet dabei rund um die Uhr.
Er kontrolliert die Herden und muss
sie von Koppel zu Koppel in regelmäßigen
Abständen umweiden. Außerdem
stehen immer wieder einmal das
Scheren des Felles und die Klauenpflege
auf dem Arbeitsplan. In den ersten
Monaten des Jahres liegt das Augenmerk
auf neuen Lämmern, die
dann oft verkauft werden. Im Sommer
muss dann schon an die Winterbevorratung
gedacht werden. Die Instandhaltung
der Zäune und Tore auf den
Deichen oder am Fuß ist allerdings,
wie andere Arbeiten auch, die Aufgabe
der jeweils zuständigen Deichacht. |