 Mühlen, wie hier in Altfunnixsiel, prägen nach wie vor die ostfriesische Landschaft. |
In den letzten drei Jahrzehnten
konnten vielerorts im Land
zwischen Ems und Jade Windmühlen
vor dem Verfall gerettet und mit großem
Aufwand restauriert werden. Die
klappernde Mühle am rauschenden
Bach, die in dem bekannten alten
deutschen Volkslied besungen wird,
sucht man in Ostfriesland vergeblich
und hat es in diesem Landstrich nie
gegeben. Dennoch gehören hier Mühlen
zu den typischen Bauwerken – in
den Marschgebieten ebenso wie auf
der Geest oder binnenlands im Fehn.
Freilich handelt es sich bei den Mühlen
auf der ostfriesischen Halbinsel
nicht um die in hügeligen Regionen
vorkommenden Wassermühlen mit
ihren Schaufelrädern, sondern um
Mühlen, die mit der Kraft des hier
immer vorhandenen Windes Getreide
mahlen, Sägegatter antreiben oder zur
Entwässerung eingesetzt werden
beziehungsweise wurden. Mit ihren
markanten Flügelkreuzen sind sie –
neben den wuchtigen mittelalterlichen
Kirchen – die landschaftsprägenden
Elemente in der flachen Küstenlandschaft
mit dem weiten Horizont.
Wenngleich in den letzten Jahrzehnten
viele Windmühlen, weil ihre
Arbeit von Maschinen übernommen
wurde, verfielen und abgebrochen
wurden, haben sich in Ostfriesland
sehr viele dieser einmaligen Baudenkmäler
erhalten – mehr als in jeder
anderen Region Deutschlands.
Windmühlen kannte man schon im
Mittelalter. Sie sahen aus wie kastenförmige
Häuschen, die auf einem
Fundament stehend in den Wind
gedreht wurden; sie werden als
Bockmühlen bezeichnet. Erst um
1600 kam die bedeutend rationellere
Form auf: ein schlanker zylindrischer
Turm oder achtkantiger Unterbau,
dessen obere Kappe mit den Flügeln
allein beweglich ist.
Diese Erfindung,
die auf den Holländer Lieven Jansz
van Moerbeke zurückgehen soll,
läutete einen wahren Mühlen-Bauboom
ein. Auch in Ostfriesland, das
in früheren Zeiten durch seine
geografische Lage mit den Niederlanden
wirtschaftlich eng verbunden war
und von hier wichtige kulturelle
Impulse empfing – man denke nur an
Seefahrt, Entwässerungstechniken und
Küstenschutz oder das Teetrinken –,
wurden in der Folgezeit bis zum Ende
des 19. Jahrhunderts nach der neuen
Konstruktionsweise hunderte dieser
Windmühlen errichtet.
Mit den meisten Windmühlen
Ostfrieslands wurde Getreide gemahlen
oder geschält („Peldemühlen“);
häufig gab es früher auch die
Entwässerungsmühlen, die mit ihren
archimedischen Schrauben aus überschwemmten
Gebieten das Wasser in
höhergelegene Gräben pumpten. |